Sich selber kritisch zu hinterfragen, eine kritische Distanz zu bewahren sind Forderungen, die im Tagesgeschäft einer Führungskraft gar nicht so leicht unterzubringen sind. Zwei unterschiedliche Strategien finden sich in dieser Diskussion wieder. sie werden vertreten von den Geschäftsführer der MARTINHORNCONSULTING und my-Employee Personalberatung GFCI GmbH 

Martin Horn:
Manager managen. Sie haben im Tagesgeschäft kaum eine generische Aufgabe mehr. Das ist ein extremer Wandel. Change Management vom Feinsten ist da gefragt. Es passiert alles immer schneller und auf der operativen Ebene. Aber es gibt das Unvorhersehbare, die Innovation, die „unmögliche“ Forderung, und all diese Feuer müssen gelöscht werden und sichern Arbeitsplätze und die Wirtschaftlichkeit. Wo immer ein Feuer brennt, muss gelöscht werden.

Felix Wiesner:
Große Hektik und Schnellschüsse ohne Sachkenntnisse produzieren doch Fehler und die wahren Verantwortlichen werden übergangen. Die Aufgaben liegen vor Dir, aber während Manager eigentlich vorausdenken müssen, werden sie für ihre Errungenschaften der Vergangenheit gelobt, eingestellt und jeder erwartet dennoch zauberhaft schnelle Resultate. Aber was mach es eigentlich möglich, zukünftige Probleme abzuwenden?

Feuergefahren erkennen, Change Management initialisieren

Martin Horn:
Kluges Vorbereiten und Entscheiden, das selbst Feuer zu verhindern hat keinen so großen Stellenwert!

Den Rückzug anzutreten hat in unserem Sprachraum einen schlechten Klang. Vielleicht weil wir unbewusst immer noch viele militaristische Assoziationen in uns tragen. Rückzug kann auch eine ganz andere Bedeutung haben – der Rückzug aus dem Alltäglichen, um sich ungestört und konzentriert auf Herausforderungen vorzubereiten. Es wird sichtbares Eingreifen erwartet, wo es eigentlich vielleicht schon zu spät ist. Dabei ist eine solche Form der Vorbereitung bei uns eher nicht so gängig, während „Prävention“ vom Wort her einen Stellenwert besitzt.

Felix Wiesner:
Das ist eine paradoxe Sache: Während die eigentliche Aktion, die Prävention ggf. unsichtbar bleibt, kann eine späte Reaktion Handlungsfähigkeit demonstrieren, obwohl es gar nicht so wirksam ist. Was aber ist dafür die richtige Strategie? Worauf ist zu achten?  

Sicherheit und Planung

Martin Horn:
„Ich habe immer eine offene Tür für meine Mitarbeiter“ höre ich viele Führungskräfte vollmundig verkünden. „Toll, wie Sie diesen Prozess wieder mit unglaublichem Engagement ins Laufen gebracht haben“ kann man in Lobesreden in Abteilungsversammlungen hören. 

Aktiv sein, ansprechbar sein, das sind scheinbar extrem wichtige Attribute der heutigen Führungsarbeit. Jemand der sich für die eigene Analyse zurückzieht, der auch einmal nicht ansprechbar ist, scheint nicht so angesehen zu sein wie diejenigen, die ständig in Aktion sind. Resignation, ein Wort das traurig stimmt. „Re-signare (lat.), das Feldzeichen zurücknehmen“. So verhält sich keine Führungskraft. Sich zurückziehen um sich auf anstehende Aufgaben konzentriert vorzubereiten, steht anscheinend nicht in der Aufgabenbeschreibung. Es wirkt tatsächlich so, als ob die Feuerwehrmänner grundsätzlich mehr geschätzt werden, als die Brandschutzbeauftragten.

Felix Wiesner:
Das ist ein schönes Bild. Ich denke, die Brandschutzbeauftragten werden beim Löschen kaum anzutreffen sein. In den Köpfen sollte sich ein Bild ändern: Veraltet wäre demnach das Bild eines Managers, der mit seinen Truppen in die Schlacht zieht, der sich durchkämpft und der obsiegt. Statt dessen der vorausschauende Navigator, der seinem Team als Dienstleister die Wege ebnet. Ich nehme an, es müssen nicht einsame Entschlüsse sein, die zu vorausschauender Risikovermeidung führen – da sollte da Team mitarbeiten?

Martin Horn:
Das ist ja selbstverständlich, aber wir sprechen über die Verantwortung und Verantwortlichkeit. Die Verantwortung bleibt bei der Führungskraft, während die Verantwortlichkeit von jedem eingefordert wird. Es wird Klarheit notwendig sein, um die Verantwortung tragen zu können. Während man alles anfechten und zerreden kann, besteht der Handlungsdruck zur Vermeidung des nächsten Feuers fort. Insofern sind auch agile Aspekte und ein ständiger Perspektivenwechsel nur bis zu einem gewissen Grad Ziel führend.

Durch innere Klarheit zu begeisternder Wirksamkeit

Felix Wiesner:
Die 10 wichtigsten, besten und schönsten Methoden für Führung beherrschen die Gazetten und den Wettbewerb der Unternehmensberater. Ich treffe viele, die das zum Kotzen finden, und sich ganz ihrer Intuition anvertrauen, weil so zumindest mal handlungsfähig bleiben. Das erlernte gewohnte Verhalten kann ja auch nicht so schlecht sein, denn man sitzt ja auf diesem Sessel. Der autokratische Manager – ist er doch überlebensfähig?

Martin Horn:
In einer Welt, in der Effizienz ein allgemein anerkannter Wert ist, überrascht die Nachhaltigkeit der alten Sichtweise doch. Welches Verhalten hat mehr Wirksamkeit? Das aktive Angehen der täglichen Herausforderungen, das Lösen der Alltagsprobleme oder die vorausschauende, oftmals obsolete Beschäftigung mit dem großen Bild, weil es ja doch immer anders kommt? Es stellt sich durchaus die Frage nach dem Selbstverständnis, da sich die Informationspyramide ja umgekehrt hat. Es ist ja nicht nur der Manager, den das allein etwas angeht – die Kunden, die Märkte und die Umwelt, in der die Firmen im Wettbewerb stehen, haben sich vollständig auf „nachfrageorientiert“ umorientiert. Wie soll da ein Manager, der aus der Vergangenheit schließt Erfolge haben?

Felix Wiesner:
Da wir alle in unserer eigenen Wirklichkeit leben und sie insbesondere durch das Handeln der Manager geschaffen wird, ist die Antwort geradezu brutal. Daniel Kahneman sagt in seinem Buch Thinking Fast and Slow: “What you see is all there is!” – Das Selbstbewusstsein von großer Erfahrung sichert schnelle Urteile und Entscheidungen. Wenn sie falsch war und aus dem Bauch kam, fällt es mir sehr schwer zu analysieren warum ich daneben lag. Die Schuldzuweisung fällt mir dann viel leichter. Das sehen wir doch jeden Tag. Je höher in der Hierarchie, je mehr bestätigte Kompetenz, desto schwerer fällt der Perspektivenwechsel.

Strategische Sicht

Martin Horn:
Es muss nicht gleich die vollständige Vision sein, aber zumindest die kritische Frage der wirklich richtigen Ausrichtung. Wohin geht die Reise? Was wollen wir wirklich? Die Komplexität der Umwelt verhindert, dass jeder kleine Schritt beschrieben wird. Es geht um ein Bild, das mich als Führungskraft anspricht und für andere ebenfalls attraktiv ist. Wirksamkeit ist der beeindruckende Gedanke, der mich anspricht. Es ist das Ziel, welches in mir und dem Team den Wunsch weckt, es zu erreichen. Nicht ich aktiviere die anderen, sondern die tun es über das Ziel selbst.

Felix Wiesner:
Weil jeder seine ganz persönliche eigene Welt hat, hat jeder auch persönliche Ziele. Keiner gibt seine Bedürfnisse und Wünsche am Werkstor ab. Ganz allgemein suchen alle Menschen im Beruf Bestätigung für sich, indem sie (a) in Entscheidungen einbezogen werden, indem (b)Ihre Kompetenz anerkannt wird, und weil (c) sie als Mensch in der Gemeinschaft anerkannt sind. Es kommt für mich als Führungskraft eigentlich nur darauf an, andere zum Mitmachen zu bewegen. Früher funktionierte das mit Druck und das war auch ein anerkanntes Mittel. Der Durchsetzungsstarke Manager war in der Lage, die Wahrheit und das Recht für sich zu beanspruchen:  Regel 1 bis 3 lautete: Der Chef hat Recht!  Heute ist es wohl ein ganz anderer Weg, diese Reise zu beginnen.

Rückzug als Quelle der Orientierung ?

Martin Horn
Wie komme ich denn zu solch einem „beeindruckenden“ Gedanken, die anderen den Sinn vermitteln? Wie soll ich so etwas hervorbringen?  –  Und genau da sind wir am Punkt.

Wissen Sie eigentlich, wo Sie die besten Ideen haben? Wo fallen Ihnen die Lösungen für Ihre Herausforderungen ein? Manche brauchen dafür die tägliche Joggingrunde, manche das Schwitzen in der Sauna und andere das Gespräch im Café. Eines ist dabei wichtig: Wesentliche Erkenntnisse werden nur selten im täglichen Aktionismus geboren.

Felix Wiesner
Denkprozesse, die Abwägung von Alternativen sind einerseits „furchtbare Zeitfresser“: Paralyse durch Analyse?! Auf der anderen Seite müssen diese beeindruckenden Gedanken unverfälscht zu denjenigen, die die Richtung und Klarheit benötigen, um die Feuer gar nicht erst entstehen zu lassen. Der Stundenplan im Management ist mit Meetings gefüllt, aber das ist auch nichts Neues und es hat die Feuer offenbar nicht verhindert. Es liegt also der Schluss nahe, dass die Inhalte und Strukturen fehlerhaft sind. Das, worauf es wohl ankommt, gibt es zu wenig, und das, was das Fehler zulässt, zu viel. Klarheit, ein Ziel und Überzeugung erscheinen nicht grad viel, um die Richtung mit einem Nordpfeil vorzugeben. Wie kommt man da hin?  

Martin Horn:
Wenn im Mittelalter die Menschen neue Ideen gebraucht haben, sind sie ins Kloster gegangen. Das Wort Kloster kommt vom „klaustrum (lat. Mauer“.) Die Mauer, die mich von der Welt trennt, die ich sonst um mich habe. Die Mauer die mich von dem trennt, was mir außerhalb Sicherheit gibt. Die Mauer die mich deshalb auf mich und meine Aufgabe selbst zurückführt, weil ich keine Ablenkung habe.

Felix Wiesner:
Reflektion und kritische Analyse? Es gibt kaum jemanden im Management, der mir sagt, dass er da Defizite hat. Es ist vielleicht eher die Vielfalt der Aspekte, die scheinbar gleichwertig nebeneinander stehen und „auch noch wichtig sind“. Wir haben gelernt, es allen Recht zu machen und die unterschiedlichsten Interessen auszugleichen. Auf der einen Seite eine stetige Erweiterung der Aspekte, die natürlich alle beim Manager ankommen. Die Sortierung und Priorisierung macht aus der schieren Vielfalt der Aspekte große Schwierigkeiten – aber worauf es wirklich wirklich ankommt, erschließt sich nicht so einfach.

Ziele vermitteln

Martin Horn:
Ich habe da noch mehr Fragen, die für die Richtungsinformation wesentlich sind: Was ist es, was Sie antreibt? Was ist es, was Ihnen wichtig ist? Wie wichtig ist das was Sie denken für andere? Wo liegen bei aller Unterschiedlichkeit von Meinungen die gemeinsamen Interessen?

Man kann ja für sich und den persönlichen Vorteil handeln. Wir haben das auf höchsten Etagen gesehen; Manager die sich selbst in den Mittelpunkt stellen.
Man kann für eine Sache brennen und diese unter allen Umständen durchsetzen wollen.
Man kann für ein Team kämpfen, wenn es das wichtigste in der eigenen Zielhierarchie ist. Sicher gibt es noch viele weitere Grundmotivatoren. Da mag jeder selbst seine Selbstreflektion starten. Bei sich. Friethjof Bergmann, der Begründer der NEW WORK Bewegung sieht darin einen allgemeinen Trend, den ich teile.  

Felix Wiesner:
Es ist geradezu Teil der Managementausbildung, mit überzeugenden Argumenten neue Ziele zu vermitteln und Handlungen darauf auszurichten. Führungskräfte sind immer in einem Sandwich-Position, wer kann sich das leisten, bei sich anzufangen? Das ist doch Theorie!  –  Auf der anderen Seite: Es klingt sehr attraktiv, die wirklichen Gemeinsamkeiten zu Basis zu machen und sich nicht and den Unterschieden abzuarbeiten.

Das eigene oder/und das fremde Ziel

Martin Horn:
Wer sich selbst diese Fragen aber schon einmal gestellt hat, weiß wie beglückend es ist, seine eigene Inspiration gefunden zu haben. Er weiß wie viel Kraft und Energie am Ende des Prozesses gewonnen wird. Er weiß aber auch, dass dies auch viel Energie kostet. Er kennt das nagende Gefühl erst einmal loszulassen, was vermeintlich so viel Sicherheit gibt.

Felix Wiesner:
In der Managementdiagnostik steigen wir diesen Fragen natürlich nach und wollen etwas über die inneren Beweggründe erfahren. Das scheint ja auch für die Selbstreflektion richtig zu sein. Denn man ist ja ein ICH gewöhnt, das sich bisher anders definiert hat. Das sind besondere emotionale Kompetenzen, sich selbst richtig einzuschätzen, – vielleicht das schwierigste Thema überhaupt.

Überforderung?

Martin Horn:
Fassen wir mal zusammen: Heute jagt uns doch eine Überraschung nach der anderen. Die Welt um uns herum ist weder berechenbar noch vorauszusagen. Komplexität, Unüberschaubarkeit und Dynamik sind die Spielregeln der Gegenwart.

Ich kann und ich darf als Führungskraft nicht mehr erwarten, dass ich von außen oder aus meiner Biografie Orientierung bekomme. Traditionen haben keine prägende Kraft mehr und sind kaum noch zu finden. Prozesse denen ich folge, scheinen in dem Moment schon wieder veraltet, in dem ich sie definiert habe. Selbst mit einem gnadenlosen Einsatz vermag ich es nicht mehr, mir verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Im Außen gibt es keine Verlässlichkeit mehr!

Felix Wiesner:
Es gibt immer ein Weiter-So. Die mögliche Konsequenz wäre dann, Resignation, Frustration und der viel beschworene Burn-out und früher ioder später Misserfolg. Aber es gibt offenbar Wege, mit denen eine eigene Neuorientierung und Neu-Erfindung gelingt, während andere daran zerbrechen. Worin liegt der Unterschied? Es sind trainierbare paradoxe Fähigkeiten. Sich seiner Sache sicher zu sein und trotzdem andere um Rat zu fragen, analysieren und seiner Intuition folgen, Ausdauernd dem Ziel folgen und für Neuerungen offen zu sein. Andere einzubinden und eine Entscheidung ganz alleine zu treffen.
Handlungen und Sichtweisen beruhen stark auf Verhaltensmustern, die wir über die Jahre erlernt haben. Neue Wege gehen heißt eben auch, sich ganz bewusst von bestimmten Verhaltensmustern zu verabschieden und etwas neu zu sehen, zu bewerten oder anders zu handeln. Sozusagen eine agile Innensicht gegen eine bisherigen rigide Vorgehensweise zu stellen. Das ist sicher nicht leicht, und auch dafür benötigt man für sich diese Klarheit des Blicks in den eigenen Spiegel.

Innenleitung als Qualitätsmerkmal der Führung?

Martin Horn:
Also bleibt die Frage wenn es im Außen keine Orientierung mehr gibt, woran soll ich mich dann orientieren? Es geht um Innenleitung!

In der alten Welt der Führung, die von vielen als Management Ära bezeichnet wird, gab es Anweisungen von oben. Dort wurde zentral gedacht, basta. In der neuen Welt der Führung, die von vielen als Leadership bezeichnet wird, dort geht es um die selbst entwickelte Vision, um das Bild, das ich mit anderen teilen kann. Das Bild das so aussagekräftig und ansprechend ist, dass auch die, mit denen ich zusammenarbeite Lust darauf haben, Ihre Energie zur Verwirklichung dieses Bildes einzusetzen.

Um genau zu diesem Bild zu kommen, braucht es den Rückzug.

Felix Wiesner:
In der Diagnostik haben wir eine Reihe von Messpunkten, die diese Fähigkeit betrachten und einem bei der Standortbestimmung helfen können. Coaches können ebenfalls helfen, die Wahrnehmungsschleier und Filter zu beseitigen, die diese Besinnung auf das Wesentliche behindern. Die Kombination von beidem ist nun nicht das Kloster, aber kann diese notwendige Korrektur deutlich vereinfachen, präzisieren und abkürzen.  

Feuer – Abwehr

Martin Horn:
Wer immer im Feuer steht ist nur damit beschäftigt, zu löschen oder dem Feuer zu entkommen. Wer im Feuer steht, kann nichts von seiner Umgebung wahrnehmen. Und ist er dem Feuer entkommen, dann tritt Erschöpfung und Angst vor dem nächsten Feuer ein.

Das ist beim Feuer des Tagesgeschäfts nichts anderes. Wer den ganzen Tag nur Troubleshooting betreibt, ist nur damit beschäftigt und nimmt nichts anderes mehr wahr. Bei Pausen tritt dann Erschöpfung und eventuell auch ein Burnout ein. Von außen wird es kein Zeichen geben, genau mit diesem Verhalten aufzuhören. Das kann nur durch die individuelle Entscheidung aus dem Inneren getroffen werden.

Felix Wiesner:
In diesen Situationen wechseln viele Führungskräfte den Job. Ein „weg von“ mit einem äußerst unklaren „hin zu“. Damit können andere Unternehmen von Krankheiten infiziert werden, die gar nicht im eigenen Unternehmen entstanden sind. Aus der Innensicht fallen die eigenen Hamsterräder nicht auf, und die importierten Hamsterräder von neuen Mitarbeitern werden nur sehr selten identifiziert. Dadurch ist aber der Umstand, dass 60% der Fach und Führungskräfte in den ersten zwei Jahren wieder den Job wechseln, ein Stück weit zu erklären. Fehlende Selbstreflektiertheit birgt die Gefahr, dass man von einem selbst gemachten Desaster ins nächste rennt.

Orientierung durch die richtigen Fragen

Martin Horn:
Ich möchte als Führungskraft natürlich bestmöglich wirksam sein. Manager durften inquisitorische Fragen stellen, um dies dann mit anderen Kenntnissen und Erfahrungen zu einer Handlungsvorgabe auszugestalten. Ich befürchte aber, von den konkreten Fakten getrennt zu sein. Um meinen Anspruch der Wirksamkeit zu erfüllen, muss ich wohl geschicktere, wertschätzende Fragen stellen und mich auf das konzentrieren, was ich wirklich beeinflussen will und kann. „Ich möchte nicht nur weiterhin die Dinge richtig machen, ich möchte die richtigen Dinge tun.“ Ich gönne mir den Rückzug, wenn es sein muss auch immer öfter, um das zu finden, was mich und das Geschäft stabilisiert.

Felix Wiesner:
Die Klärung der richtigen Fragen berührt stark die Frage nach den zuverlässigen relevanten Quellen. Die Sachentscheidungen werden in Team getroffen – was muss ich als Führungskraft darüber wissen? Worin liegt der Nutzen? Patrick Lencioni beschreibt in seinen Büchern immer wieder eine sehr reduzierte, gut strukturierte und fokussierte Führung. Konzentration auf das Wesentliche im Gegensatz zu Themen, die mein persönliches Interesse wecken.  Alles wissen zu wollen kostet einfach Zeit und stiehlt anderen ggf. sogar die Selbstverantwortung.

Martin Horn:
Roswita Königswiesen hat in Ihrem Ansatz von den stabilen Zonen genau das beschrieben. Sie fragt nicht nur „Wie konnte das passieren?“ Sie fragt danach, welche lebenswerten Werte habe ich? Was bringt mich auf neue Ideen? Wie und wo habe ich Einfluss? Welche Beziehungen spielen in meinem Leben eine Rolle? Wo sind Plätze an denen ich Ruhe erlebe oder auch wo ich Innovation erlebe?

Um genau diesen Klärungsprozess mit diesen Fragen geht es, wenn ich einsteigen möchte in die Stärkung meines Inneren, damit ich in einem Außen das mir keine Orientierung mehr gibt eine Ausrichtung zur Stabilität habe.

Was mir selber gut weiter hilft, muss aber nicht das sein, was das Unternehmen braucht.

Felix Wiesner:
Letztlich verlangt dies wieder paradoxe Fähigkeiten und emotionale Kompetenzen, die man gut vermessen und entwickeln kann. All das darf nicht druckvoll unter großen Belastungen einer einzigen Warum-Frage erfolgen. Führung soll dem Gesamtergebnis und den darin involvierten Menschen dienen. Der Ausgleich im Team, in dem alle integriert sind, in dem die Kompetenz jedes einzelnen anerkannt ist, und in dem auch der zwischenmenschliche Aspekt der Anerkennung vorhanden ist, ist ja ein Teil einer kollaborativen Struktur. Wenn alle in die gleiche Richtung ziehen, gibt es eine größere Erfolgschance und Einigkeit, als jede Anstrengung einer einzelnen Person. Die Fähigkeit, sich der Unterstützung eines Teams zu bedienen und den Input anzunehmen und zu nutzen, lässt sich sauber diagnostizieren und in eine persönliche Managemententwicklung integrieren.

Rückzugsmöglichkeiten zur Gewinnung neuer Kraft

Martin Horn:
Der Rückzug in die eigene Zielfindung kann von Kollegen belächelt werden. Es ist ja nicht sehr anerkannt sich zurückzuziehen. Es könnte sich auch ungewöhnlich anfühlen. Aber es ist der Weg zur Klarheit. Stabilität in einer instabilen Welt. Erfreulich ist, dass es immer mehr Unternehmen gibt, die auch für Führungskräfte Zeit für Sabaticals und unbezahlten Urlaub einräumen.

Felix Wiesner:
Wir sehen in unseren Gesprächen auch eine große Unsicherheit. Eine große Hilfe ist es, sich über seine eigenen Stärken und Limitationen bewusst zu werden. Unser Weg dorthin sind Online Assessments, die hunderte von Messpunkten liefern und das eigene Vorgehens- und Entscheidungsmodell zugänglich machen. Das hilft, Abstand zu gewinnen und die Analyse der eigenen Wirksamkeit heute und ggf. morgen gehören zwingend zu einer Lösungsstrategie. Es muss ein Weg beschrieben werden, der von dem heute ins Morgen führt. Jeder Veränderung beginnt mit einem Schritt, und der sollte in die richtige Richtung führen.

Martin Horn
In einem Begleitungsprogramm für Top Führungskräfte praktizieren wir die Woche der Selbstbesinnung. Dort trifft sich eine Gruppe von 6-8 Teilnehmern. Nur mit Stift und Papier und der eigenen Persönlichkeit ausgestattet, findet genau diese Selbstreflexion statt. Es ist faszinierend wie diese Menschen sich in einer Woche verändern. Es ist beeindruckend, mit welchem Verständnis sie ihre neue Führungsaufgabe anpacken. Die Interaktion mit Menschen in einer ähnlichen Situation gibt 1000sende von neuen Anregungen.

Felix Wiesner
Für die Bewältigung neuer Herausforderungen ist es ungeheuer hilfreich, zu wissen, was und wer man eigentlich ist und wie die Interaktion mit anderen aus einer anderen Perspektive aussehen könnte. Sonst sieht man sich stets als Zentrum der Welt. Beide Wege sind möglich und können sich sogar ergänzen 

Und nun sind Sie an der Reihe

Sie haben sich schon mit sich selbst auseinandergesetzt? Sie haben sich den Fragen gestellt, die zur inneren Klärung führen? Haben Sie ein aussagefähiges Online Assessment von sich?

  • Was sind Ihre stabilen Zonen?
  • Lassen sich diese durch Ihre paradoxen Fähigkeiten erklären?
  • Wie stabil sind Ihre Stabilen Zonen?
  • Was passiert eigentlich in Ihren Stresssituationen?
  • Was nützen Ihnen Ihre stabilen Zonen morgen?
  • Welche Verhaltenskompetenzen können Sie zur Verstärkung nutzen

Mit den Antworten auf diese Fragen, mit Ihren Antworten, sind sie bereit für die Welt mit all dem Neuen. Für die Welt außerhalb von Mauern und den alten Restriktionen. Es muss nicht gleich ein Kloster sein. Es braucht einfach Ruhe, Abstand und die Bereitschaft nach innen zu hören.

 

 

Führungsqualitäten in der VUCA Welt schärfen

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